Krebs

Vor den Wechseljahren und mit unter 50!

Ich gelte damit als "junge" Erkrankte.

Die untersuchende Oberärztin des Krankenhauses erklärte mir dann, dass das sicherlich nicht das beste Ergebnis wäre, aber ich mir zunächst einmal keine Sorgen machen solle, denn noch wisse man ja nichts darüber, wie der Krebs funktioniert und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird es sich "nur" um einen Brustkrebs mit sog. Hormonrezeptoren (HR) handeln und dieser wäre extrem gut zu behandeln.

Als Krankenschwester wusste ich das alles. Trotzdem hatte ich ein seltsames Bauchgefühl dabei. Und auf mein Bauchgefühl kann ich mich IMMER verlassen. Mein ganzes Leben lang.

"Wenn Tumorzellen hormonabhängig wachsen, bedeutet dies, dass sich ihr Wachstum durch Hormonentzug verlangsamen oder stoppen lässt. Dann kann eine (Anti-) Hormontherapie bzw. endokrine Therapie durchgeführt werden und man kann mitunter auf eine Chemotherapie verzichten." 

Dazu müsse der Tumor aber in jedem Fall entfernt werden, um ihn dann in ein Labor zu schicken, der die Tumorbiologie genau untersucht.

Gesagt, getan. Anfang November 2015 wurde ich brusterhaltend (BET) operiert und man entfernte 2 Tumoren aus meiner rechten Brust, der Größte war 1,9cm groß. Da ich seit 2011 auch an einem Lipolymphödem erkrankt bin und bedingt dadurch das Lymphsystem bereits unter großen Blockaden leidet, verzichtete man auf eine Entfernung der sogenannten Wächterlymphknoten (Sentinel), um das bereits erkrankte Lymphsystem nicht noch mehr zu belasten.

Das Gewebe der Tumoren wurde eingeschickt und untersucht und ja, es handelte sich um:
einen HR+ Krebs, der sowohl auf Östrogen (ER+), wie auch auf Progesteron (PR+) reagiert,
die Beschaffenheit des Krebsgewebes (Grading), sie gibt Hinweise auf die Aggressivität bzw. Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, war bei 2,
die Krebszellen waren mittelmäßig aktiv, der Ki67 lag bei 25%, was etwas über die Prognose und Überlebensrate und auch über die Notwendigkeit einer Chemotherapie aussagt.

Mit 25% lag er genau auf der Grenze und in Absprache mit dem Professor der Mammasprechstunde und der Tumorkonferenz wurde gemeinsam mit mir entschieden, dass aufgrund des vorhanden Lipödems und der Tatsache, dass beide Tumoren noch klein waren, auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann.

Wie sich jetzt im Nachhinein herausstellt, war das instinktiv genau die richtige Entscheidung.

Auch eine Therapie mit einem Antihormon namens Tamoxifen konnte nicht begonnen werden, da es in meiner Familie gehäuft zu Thrombosen und Schlaganfällen kam, was als eine der großen Nebenwirkungen von Tamoxifen gilt, und zum anderen erkranken sehr viele Patientinnen unter Tamoxifen am Lipödem, welches ich ja bereits hatte, so das mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit mit einer Verschlechterung meines Lipödems ausgegangen werden musste.

Auch dies war, im Nachhinein betrachtet, eine sehr gute Entscheidung.

Kurz nach meinem Geburtstag, im Dezember 2015 begann die Strahlentherapie.