Eltern

November 1967

Ich wurde am 06.12.1966 in Berlin geboren.

Ich bin also Schütze. Doppelter Schütze um präzise zu sein.

Und da ist es wieder, das ungewollte Motto meines Lebens: "Einfach wäre zu einfach"

Um meine Kindheit und meine Jugend zu beschreiben, muss ich, da viele von euch das vermutlich gar (nicht mehr) wissen, etwas ausholen, damit die Dinge etwas klarer bzw. leichter zu verstehen sind.

Also los:

Bis 1974 wurde man erst mit 21 Jahren gesetzlich volljährig,. Man konnte sich, z.B. beim Vorliegen einer Schwangerschaft, vorzeitig für ehemündig erklären lassen. Diesen Weg nahmen früher viele junge Frauen, um von Zuhause ausziehen zu können. 

Und genauso war das bei meinen Eltern.

November 1967

Meine Mutter (Jahrgang 1947, also die Nachkriegsgeneration), eine wunderschöne Frau, schwer berufstätig als Friseurin, immer adrett, ständig die Haarfarbe wechselnd und nach den neuesten Trends gestylt, lebte bei ihren Eltern, ein Aschenputtel-Leben. So bezeichne ich es. Ich höre aus zig Kilometern Entfernung den Aufschrei meiner Verwandten, aber, so war es. Es war wohl typisch für die 50er und 60er Jahre, das mag sein. 

Meine Mutter wurde in Wittstock  an der Dosse geboren, einem, noch heute, schönen kleinen Städtchen in Brandenburg, der damaligen DDR. Sie hatte, als ihre Eltern sich scheiden ließen, eine Schwester. Ihr Vater zog es vor nach (West) Berlin zu gehen, die Gelehrten streiten noch heute darüber, ob er zum damaligen Zeitpunkt bereits ein Verhältnis mit seiner späteren 2. Ehefrau hatte, oder nicht. Mir persönlich wäre es ja ziemlich egal gewesen, wenn diese doofe Mauer nicht gebaut worden wäre. Das war zwar vor meiner Zeit, aber es hat mich tatsächlich für mein Leben geprägt.

Mein Großvater ging also in den Westen, nahm meine Mutter mit, was für sie mit ziemlicher Sicherheit ein traumatisches  Erlebnis war, denn sie verlor sowohl Mutter als auch Schwester und wusste nicht, ob sie sie jemals wiedersehen würde. 
Er heiratete eine Frau, die sich für meine Mutter, tatsächlich als die, nun sagen wir es mal vorsichtig, als nicht unbedingt liebevolle Ersatzmutter herausstellte. Ihr versteht sicherlich, wie ich auf das Aschenputtel komme, oder?
Wie die Geschichte es will, bekamen die beiden, so ein Zufall, 2 Kinder. Meinen Onkel und meine Tante. Wie praktisch, dass meine Mutter schon "so groß" war. So konnte sie ihre Ersatzmutter ganz prima entlasten, in dem sie sich um die Kinder und den Haushalt kümmerte.
Nebenher machte sie noch ihre Ausbildung zur Friseurin. Sie war eine wirklich tapfere junge Frau.

Hin und wieder bekam meine Mutter "kinderfrei". Das waren die Abende, an denen sie, wie andere junge Frauen, zum Tanzen ging. Bei einer dieser Gelegenheiten traf sie meinen Vater.

Ostern 1967

Mein Vater (Jahrgang 1944 und der jüngste Sohn einer Kriegswitwe) war Schlagzeuger in einer Band. Sein Traum war es Berufsmusiker zu werden. Er war gelernter Bäcker und lebte zusammen mit seiner Mutter.

Ob die beiden sich nun wirklich richtig ineinander verliebt hatten, das erschließt sich mir bis heute nicht.  Auf jeden Fall sah meine Mutter ihre Chance zur Flucht aus dem Elternhaus wohl als gekommen an.  So pragmatisch muss man das wohl sehen.

Meine Muter wurde schwanger, wurde für ehemündig erklärt und 6 Wochen vor meiner Geburt heirateten die beiden.

Hochzeit Eltern

Ende gut alles gut? Naja, nee, nicht so wirklich, sonst wäre es doch "zu einfach".